Historie | Geschichte der Altstädter 3

Jupp zieht in den Kampf

Nach wenigen harten Tagen, die mit exerzieren verbracht wurden, ging der Marsch von Bonn aus stromaufwärts bis nach Andernach. Hier verließen sie das kurkölnische Territorium und marschierten, nachdem sie über den Rhein gesetzt hatten, über Montabaur und Limburg, vorbei an Frankfurt am Main in Richtung Osten. Dann mussten sie nach Süden einschwenken und auf Bayreuth zumarschieren. In Bayreuth waren die kurkölnischen Regimenter bereits am 25. bzw. 28. April 1758 angekommen. Ende Mai trafen die neu ausgehobenen Rekruten bei der Reichsarmee ein.

Jupp hatte auf dem Marsch zwar viel von Deutschland gesehen, aber er empfand an seinem neuen Beruf keine rechte Freude. Die Füße taten ihm weh, das Gepäck drückte auf den Rücken, während des Marsches schlug die schwere Muskete regelmäßig gegen seinen Oberschenkel und auf der anderen Seite verfing sich der Säbel in den Kniekehlen. Jeder fünfte Mann trug neben seiner persönlichen Ausrüstung einen Feldkessel, jeder Zehnte eine Feldflasche. Auf je zehn Mann kam ein Zelt, eine Haue, ein Beil und eine Schaufel. Dies alles war auf dem Marsch auf die Soldaten aufgeteilt und belastete zusätzlich.

Die Grenadierrekruten, also auch Jupp, wurden nach ihrer Ankunft in Bayreuth dem Regiment Wildenstein zugeteilt. Das Feldlager der Reichsarmee und das Lagerleben waren für einen Neuling verwirrend. Es gab Kriegsvölker aus verschiedenen Gebieten Deutschlands in recht unterschiedlichen Uniformen und Monturen. Dazu kamen die Truppen aus Ungarn und wild aussehende Kroaten aus der österreichischen Militärgrenze. Besonderes Aufsehen erregten die Generale der Reichsarmee.

Es gab sie in großer Zahl, denn jeder Reichsstand gab seinem Kontingent mindestens einen General bei. Sie stolzierten in roten, blauen oder weißen mit Gold oder Silber reich bestickten Röcken umher oder hielten Jagden und Trinkgelage ab. Was aber Jupp besonders wunderte, waren die Marketender, die allerlei Sachen feilboten und im Lager Kantinen errichteten, in denen sich die Soldaten besaufen konnten, die Gaukler und die große Zahl an Huren, die das Lager bevölkerten.

Jupp konnte sich wenig am Lagerleben in Bayreuth freuen, denn der Reichsfeldherr Prinz von Zweibrücken brachte die Reichsarmee durch strenge Disziplin und ernste Übungen auf einen erträglichen Stand. Das hieß auch für die Kurkölner Drill, Drill und nochmals Drill. Im Mai 1758 marschierte die erneuerte Reichsarmee, und mit ihnen die Kurkölner, nach Böhmen, um sich mit der österreichischen Armee zu vereinen. Das war viel zu weit von zu Hause entfernt, um zu desertieren, wie die Soldaten das Abhauen nennen. Und gefährlich wäre es auch gewesen wegen der vielen Räuber, die sich auf den Straßen und in den Wäldern herumtrieben.