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Neues von den Altstädtern


1924 - Köln in bewegten und bewegenden Zeiten
29.12.2013

Altstädter Tanzkorps feiert seinen 90. Geburtstag - Seit 1924 „Uns zor Freud un Üch zo Ihr!“

Willi Ostermann, „Krätzchensmächer“ und Sänger feiert sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Der „Decke Pitter“, die St. Petersglocke des Kölner Doms, wird geweiht. Der Rohbau für Europas seinerzeit höchsten „Wolkenkratzer“ am Hansaring ist fertiggestellt. Der Kölner Erzbischof Karl Josef Kardinal Schulte ist über das närrische Treiben schmerzlich berührt und bezeichnet das vaterstädtische Fest wie folgt: „Alles in allem ist der Karneval eine Karikatur von abstoßender Hässlichkeit…“. Die Sympathien der feierfreudigen Kölner hatte er damit verspielt.

Vier von zahlreichen Ereignissen, die die Kölner Bürger und nicht zuletzt die Karnevalisten in dieser Zeit beschäftigen und bewegten.

1922 - das Gründungsjahr der Karnevalsgesellschaft „Fidele Altstädter“, heute „Altstädter Köln 1922 eV“ fiel vier Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges in eine Zeit von vielfältigen Bestrebungen, auch den Karneval wieder aufleben zu lassen. Dieser war seit 10 Jahren unter dem Ernst der Lebensnot im wahrsten Sinne des Wortes zu Grabe getragen worden. Mit viel Einsatz und Elan waren auch die Gründungsmitglieder um ihren ersten Altstädter Präsidenten Servatius Jussenhoven bei der Sache und setzten zwei Jahre nach der Vereinsgründung im Jahr 1924 den Gedanken um, ein uniformiertes Tanzkorps ins Leben zu rufen. Der Name „Fidele Altstädter“ war somit auch gleich Programm.

Zur Feier des 11.11.1924 wurde die erste schmucke, grün-rote Korpsuniform, getragen von Toni Preußer, der Öffentlichkeit präsentiert.

Das erste Tanzpaar waren die (männliche) Marie Jean Küster mit Tanzoffizier Gottfried Schmitz und erster Kommandant wurde Hans Fabritius. Übrigens ein Kommandant, dem das leibliche Wohl seines Korps stets sehr am Herzen lag.

Er hatte als „Oberst Fusel“, wie er auch genannt wurde, die Angewohnheit, etwas Hochprozentiges zu den Auftritten mitzubringen. Wenn er jedoch die „geistige Nahrung“ einmal vergessen hatte, erinnerte ihn sein Korps auf der Bühne an seine Nachlässigkeit und setzte zu den Klängen des Korpstanzes folgenden Gesang ein:

„Fabritius, wo sin dann ding Schabäucher,
wievill häste do uns dann metjebraht?
Fabritius, wo sin dann ding Schabäucher,
denk jood an ding Korps, et weed en lange Naach!“

Das Singen während des Tanzes ist eine schöne Tradition, die bis heute Bestand hat.

Viele gute Ideen kamen damals auf und wurden umgesetzt. Das „Hannemannsche-Trompeten-Korps“ wurde unter Leitung von Fritz Hannemann, der auch den Altstädter-Marsch komponierte, als Regiments-Musikkorps verpflichtet. Albrecht Bodde textete den „Fidele Altstädter Marsch“, die Musik dazu komponierte Heinrich Frantzen. Franz Engelskirchen komponierte den ersten Korpstanz. Den Text zum Mariechentanz „Die Hüsjer bunt om Aldermaat“ schrieb Jupp Schlösser und Dr.Gerhard Jussenhoven, Sohn des Altstädter-Präsidenten Servatius Jussenhoven, komponierte die Melodie dazu. Bereits in der folgenden Session 1925 absolvierte das stolze grün-rote Korps 40 Auftritte im Kölner Karneval. Die Altstädter waren auf dem richtigen Weg und konnten sich bereits ab 1926 zum Kreis der bedeutenden Kölner Karnevalsgesellschaften zählen.

Ab 1928 erstrahlte das Tanzkorps in neuem Glanz. Die Tänzer erhielten, anders als die Offiziere mit ihren Dreispitzhüten und Federstutzen, von nun an die auf Hochglanz polierten Goldhelme (aus Messing) mit einem sogenannten Piddel auf deren Spitze. Eine bis zum heutigen Tage unveränderte Ausstattung, die bei allen Auftritten des Korps zu den Farben Grün und Rot ein prächtiges Gesamtbild ergibt.

Die politischen Veränderungen der 30er Jahre brachten auch Veränderungen für den Karneval in Köln mit sich. Die Kölner Jungfrauen im Dreigestirn waren in den Jahren 1938 und 1939 mit Paula Zapf und Else Horion weiblich. So war es dann ab 1936 üblich, dass auch die Tanzmariechen nicht mehr von Männern dargestellt wurden. Nur noch wenige Jahre des aktiven Karnevals und dessen Aufbaus folgten. Auch das Altstädter-Korps war beim, mit über einer Million Zuschauern bis dahin sehr erfolgreichen, Rosenmontagszug 1939 unter dem Motto „Singendes, klingendes, lachendes Köln“, noch mit dabei und dann war erst einmal Stillstand angesagt.

Der 2. Weltkrieg forderte unzählige Opfer und so kamen auch Altstädter Kameraden nicht mehr in ihre geliebte Heimat Köln zurück. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Kammerbestände, das umfangreiche Altstädter- Archiv und nahezu alle Unterlagen in den Bombennächten vernichtet. Einige Altstädter um Heinrich Nüllen und Präsident Servatius Jussenhoven suchten die Adressen ihrer früheren Kameraden, um wieder Kontakt aufzunehmen. Der Wiederaufbau begann. Erstes Tanzpaar ab 1947 wurden Lilly Ortmann und Hubert Knott. Präsident wurde Fritz Figge, der den englischen Stadtkommandanten besuchte, um die Wiederzulassung der Knabüs (Knallbüchse), des hölzernen Zabel (Säbel aus Holz) sowie der grün-roten Uniform zu erwirken. Was schließlich im Januar 1949 auch gelang und das Altstädter-Korps bei der „Kappenfahrt 1949“, dem ersten offiziellen Rosenmontagszug nach dem Krieg unter dem Motto „Mir sin widder do un dun wat mer künne!“, wieder mit dabei war. Die Teilnahme des Korps an den Rosenmontagszügen wurde von nun an zur Selbstverständlichkeit.

Seit dieser Zeit hatte das Altstädter-Korps auch bereits Verstärkung durch den Spielmannszug 1. Kölner Tambourkorps „In Treue fest 1919 e.V.“. Man pflegte bis zum Sommer 2010 eine mehr als 60jährige enge Partnerschaft, die gelegentlich sowohl wirtschaftlichen als auch vereinsinternen Schwierigkeiten auf beiden Seiten überstand.

Das Tanzkorps entwickelte sich sehr gut und bereits 1952 war man mit 63 Auftritten ein gern gesehener Gast auf den Veranstaltungen. Ab 1953 veranstalteten und eröffneten die Altstädter mit dem Aufzug des Korps, gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeister samt Dreigestirn, den Straßenkarneval auf dem Alter Markt. Auch die Kleiderkammer füllte sich wieder von Jahr zu Jahr und erreicht 1956 mit 109 Uniformen eine stattliche Zahl. Zur Session 1961 stellt Präsident Fritz Figge das neue Tanzpaar Gerdemie Pütz und Karl-Heinz Basseng vor.

Ab 1960 revolutionierten die Beiden, die auch etwas später im wirklichen Leben ein Paar wurden, den Korpstanz im Kölner Karneval. Erste Hebefiguren und eine ganz neue Choreographie, alles gemeinsam geschaffen und einstudiert von Ballettmeister Peter Schnitzler und dessen Ehefrau Hilde. 1967 tritt das Korps erstmalig bei der Kölner Prinzenproklamation auf. Auf der Proklamation 1968 löst der Mariechentanz der Altstädter eine, in dieser Form nicht erwartete, Begeisterung beim Publikum aus. Nach dreimaligen Da Capo schlägt Festkomitee-Präsident Ferdi Leisten, unter dem Beifall der Präsidenten der Traditionskorps, die Altstädter zum (5.) Traditionskorps des Kölner Karnevals vor. Einen Monat später beschließen und bestätigen die Präsidenten der Traditionskorps den Vorschlag von Ferdi Leisten.

„Altstädter opjepass“, ein Kommando, wenn nicht das Kommando überhaupt, bei dem jeder Altstädter auf der Bühne weiß, „jetz jeht et loss!“. Gerade Reihen bilden, den Blick nach vorne in Richtung Publikum gerichtet, Musiker, Tanzpaar, Goldhelmträger, Offiziere des Senates, des Reiterkorps, des Großen Rats und des Reservekorps zum Präsentieren in Position und die Tänze folgen sodann. In all den Jahren ein gleich gebliebenes Zeremoniell, welches wohl auch nie aus der Mode kommen wird. Denn das ist die Tradition, die auch nach dem einzigartigen Altstädter Motto „Am guten Alten in Treue halten!“, von jedem Altstädter gepflegt und gelebt wird.

Es waren viele Korpskameraden die vor und in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg das Korps in verantwortungsvollen Positionen mit prägten.

Neben Karl-Heinz Basseng (Kallendresser) der 13 Jahre als Tanzoffizier, dann 25 Jahre als Korpskommandant und später als Präsident die Gesellschaft erfolgreich führte, sind Helmut Reuter (Blos), der insgesamt 28 Jahre als Korpsspieß tätig war, sowie Tanzkorps-Ehrenkommandant Manfred Bovenkerk (Krankesching), der auf 30 Jahre Vorstandsarbeit zurückblicken kann, und nicht zuletzt, der langjährige, im vergangenen Jahr verstorbene Regimentskoch Erich Flender (Kochlöffel), der dieses schöne Amt 33 Jahre lang inne hatte, Kameraden, denen die schöne Korpsgemeinschaft der Altstädter vieles zu verdanken hat.

„Met Trööte un Trumme, Altstädter kumme…“, so heißt es seit Jahrzehnten, wenn das grün-rote Korps aufzieht. Ob bei den Bühnenauftritten oder mit gleich sechs Kapellen, welche die verschiedenen Altstädter-Gruppen im Rosenmontagszug alljährlich begleiten, die richtige Musik gehört stets dazu. Eine davon ist die Altstädter-Regimentskapelle, das Musik-Corps Köln-Flittard 1970 e.V.. Seit 1994 und in dieser Session seit nunmehr 20 Jahren begleiten sie die Altstädter und auch je nach Saal- und Bühnengröße das Tanzkorps, zusätzlich zum Altstädter-Regiments-Spielmannszug, bei Auftritten. Und das ist eine Besonderheit beim Korps der Altstädter, der seit vier Jahren eigene Spielmannszug. Entstanden war dieser nach der Trennung von dem seit über sechs Jahrzehnten verpflichteten Spielmannszug „In Treue fest 1919 e.V.“.

Im engen Dialog zwischen Altstädter-Vorstand und Tanzkorpsführung wurden kurzfristig die Weichen für einen neuen und eigenen Regiments-Spielmannszug gestellt. Mit ehemaligen „In Treue fest“-Spielleuten, mit musikalisch bewanderten Vätern und Söhnen aus den Altstädter-Reihen sowie mit motivierten ehemaligen Spielleuten anderer Spielmannszüge formierte sich in nur vier Monaten eine tolle Truppe. Es war eine Herausforderung der besonderen Art. Die Beschaffung von Musikinstrumenten und die Einkleidung der Spielleute war dabei noch geradezu eine Leichtigkeit. Schwieriger war da schon die Umsetzung im musikalischen Bereich.

Aber auch dort war man mit Tanzkorpskamerad Bernhard Röttgers (Waggelknee) als neuem Tambourmajor gut aufgestellt. Offiziell vorgestellt wurde der Regiments-Spielmannszug beim Korpsappell im Januar 2011.

Neuerungen und Veränderungen sind Dinge, die auch ein Traditionskorps stets begleiten und seine Attraktivität damit nicht mindern. Neue Tanzpaare folgen und auch neue Korpskameraden kommen jährlich dazu.

So auch Hans Kölschbach (Knallbotz vum Aldermaat), der durch Freunde und langjährige Altstädter-Kameraden 1994 seinen Weg zum grün-roten Korps fand. Erst als Tänzer und Goldhelmträger, wurde er 2002 Korpskommandant und steht der Gesellschaft seit 2004 bis heute als Präsident vor. So ganz nebenbei schlüpfte er in der Session 2001 noch in die Rolle der Kölner Jungfrau Hansi.

Insgesamt 24 Tanzpaare waren bisher für die Altstädter „im Dienst“ und haben mit ihrem Können das Publikum begeistert. So auch aktuell Stefanie Pütz (Stänche) und Jens Scharfe (Zündkääz) in ihrer 4. Session. Als Tanzpaar sind sie wieder ein wahrer Glücksfall für die Altstädter und bleiben hoffentlich noch einige Jahre dem Publikum und der grün-roten Korpsgemeinschaft erhalten. „Der Kallendresser-Tanz ist der schönste Tanz eines Traditionskorps in dieser Session“, so der „Große Kölner“- Präsident Dr. Joachim Wüst, zum Aufzug des Altstädter-Korps bei dessen traditioneller Kostümsitzung am Karnevalssonntag 2013 im Gürzenich. Ein Kompliment welches zeigt, dass das Tanzkorps mit hervorragender Leistung das Publikum stets zu überzeugen weiß.

Für Michael Klaas (Piccolo) als Tanzkorpskommandant und Guido Bräuning (Iggel), der die Position des Korpsspießes von Michael Klaas übernommen hatte, war die Session 2013 die Feuertaufe. Mit Bravour bestanden, kann man den beiden langjährigen und somit erfahrenen Korpsmitgliedern nach deren erster Session in ihren neuen Ämtern bescheinigen. Im Sommer zuvor erst hatten sie diese schönen und anspruchsvollen Aufgaben übernommen.

Mit Tanzpaar, Tanzkorps samt Jugendkorps, Regiments-Spielmannszug und den heute in Führungsaufgaben verantwortlichen Korpskameraden, ist das Schiff „Altstädter-Tanzkorps“ auf dem richtigen Kurs und garantiert noch viele Jahre einer respektvollen Fortsetzung der in nunmehr 9-Jahrzehnten gelebten und gepflegten grün-roten Tradition.

Die Zeilen dieses Beitrages geben nur eine kurze Zusammenfassung der vergangenen 90 Jahre des so stolzen Altstädter-Tanzkorps wieder. Zahlreiche im Text nicht genannte Mitglieder haben in den neun Jahrzehnten mit ihrer Mitarbeit und den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Altstädter im Allgemeinen und ihr Tanzkorps unterstützt und somit einen großen Beitrag zu dem geleistet, was das Korps heute ist. Ihr Wirken für das grün-rote Korps war geprägt von Ideen, Visionen und Einsatzbereitschaft, die letztendlich die erlangten Erfolge ausmachen. Der 90. Geburtstag des Tanzkorps fällt in eine Zeit, in der auch, wie im Jahre 1924, die Menschen von Problemen und Entwicklungen bewegt sind und werden.

In diesem Sinne gilt für das Tanzkorps damals wie heute: „Uns zor Freud un Üch zo Ihr!“









































 

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