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Neues von den Altstädtern


13.01.2016

Zukunft hat Herkunft - Vom Kegelclub zum Traditionskorps

Wer schon einmal versucht hat seinen Familienstammbaum zu ergründen, um somit seine Wurzeln in Erfahrung zu bringen, der weiß, dass dies keine leichte Aufgabe ist. Zahlreiche Informationen, Dokumente und Daten sind erforderlich um am Ende, die Ursprünge seiner Herkunft zu kennen. So ähnlich ist dies auch, wenn man sich daran macht, die Herkunft des heutigen Traditionskorps „Altstädter Köln 1922 eV“ zu ergründen.

Der Vereinschronik ist zu entnehmen, dass der Senat der Altstädter sehr eng mit dem Ursprung und der Gründung des Vereins „Fidele Altstädter“, am 10. März des Jahres 1922 verbunden ist. Bedauerlicher Weise wurden bei einem Brand in den Jahren des 2. Weltkrieges zahlreiche Unterlagen des Altstädter eigenen Archivs vernichtet. Bei Durchsicht der heute vorliegenden Unterlagen wie Protokollen, Satzungsniederschriften, Urkunden und Zeitungsartikeln lässt sich nicht eindeutig die genaue Geschichte der Entstehung der grün-roten Korpsgesellschaft ergründen. So erklärt es sich, dass dieser Senat in der Gründungssatzung nicht als Gruppe neben einem Kleinen Rat, Erwähnung findet. Dieser Kleine Rat wurde gebildet, aus den sogenannten „ordentlichen“ Mitgliedern, darunter der dreiköpfige Vorstand und höchstens neun weitere Personen.

Leicht irritierend bei der Erkundung der Vereinsgründung ist ein Inserat in der Ausgabe des „Stadt-Anzeiger der Kölnischen Zeitung“, vom 21. Januar 1900. Dort findet man den Hinweis auf eine, am gleichen Tag im „Overstolzensaal am Eigelstein“ stattfindende „4. Sitzung mit Damen der K.G. Närrische Altstädter“. Somit stellt sich die berechtigte Frage: „Gab es die Altstädter eventuell bereits vor 1900?“

1922 gilt jedenfalls als das offizielle, heute auch im Namen so benannte Gründungsjahr der damaligen Karnevalsgesellschaft „Fidele Altstädter“. Dennoch taucht der Name „Altstädter“ bereits im Jahr 1905 in alten Aufzeichnungen des grün-roten Korps auf. Dies jedoch nicht als Karnevalsgesellschaft sondern als „Kegelclub Altstädter 1905 Köln“. § 1 der Satzung des neugegründeten Kegelclubs lautet: „Der Kegelclub Altstädter hat seinen Sitz in Köln. Zweck des Kegelclubs ist, den Kegelsport zu pflegen, dazu aber auch die Geselligkeit und den Humor zu fördern.“

Und da haben wir es doch gleich: „…den Humor zu fördern!“

In mehreren Schritten, man könnte meinen typisch Kölsch erfolgte die Gründung und der Werdegang der Karnevalsgesellschaft, die sich nunmehr seit 1968 der Auszeichnung zum Kölner Traditionskorps, mit Stolz erfreut. Und sich somit auch zu den fünf Urtraditionskorps zählen kann.

Alles war entstanden aus einer geselligen und urkölschen Nachbarschaft im Altstadtviertel rund um den Waidmarkt. Genauer beschrieben in einer Gastwirtschaft, dem historischen „Brauhaus Lölgen“ an der Hohen Pforte. In jener kölschen Wirtschaft in der im vorletzten Jahrhundert eine Humorist erstmalig den sogenannten „Halven Hahn“ servieren ließ. Für „Immis“ (Nichtkölner) ist dies beileibe kein Geflügel, sondern ein knusprig gebackenes Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe alten Holländer Käse (Gouda) und Senf.

Im Laufe der Jahre und unzähligen, mit Bravour geschobenen Kugeln, entschlossen sich die Kegelbrüder im Jahr 1922 den Verein „Familiengesellschaft Fidele Altstädter e.V.“ ins Leben zu rufen. Die 12 Gründungsmitglieder verstanden darunter natürlich nichts anderes als eine Karnevalsgesellschaft.

Da allerdings die britischen Besatzungsbehörden samt der in Berlin ansässigen, preußischen Regierung keinen Sinn für das Vaterstädtische Fest hatten, und der Karneval sogar verboten war, musste man Vorsicht walten lassen und mit „unverdächtigen“ Vereinsnamen aufwachten. Begonnen hatte man mit Nikolausfeiern und gab nach und nach die Behutsamkeit auf, denn hinter vorgehaltener Hand sprach man im Laufe der Jahre bereits von den schönen und stimmungsvollen Festen der „Fidelen Altstädter“.

Mit der Gründung hatte man natürlich auch nicht die Wahl eines Präsidenten vergessen. Servatius Jussenhoven, war sein Name. Vater des Komponisten Dr. Gerhard Jussenhoven, der einige Jahre später gemeinsam mit Jupp Schlösser, das seit damals bis heute bekannte Lied “Die Hüsjer bunt om Aldermaat“ veröffentlichte. Ein Lied welches die Heimat der Altstädter, den Alter Markt im Herzen von Köln gelegen und dessen einzigartiges Flair damals wie heute sehr treffend beschreibt. So wundert es auch nicht, dass das Lied seitdem fester Bestandteil des Altstädter-Mariechen-Tanzes geblieben ist.
Die Familie Jussenhoven war damals bereits seit über 200 Jahren in Köln ansässig. Servatius lebte im ältesten Stadtviertel von Köln, dem Severinsviertel zu kölsch „Vringsveedel“ genannt. Als Konditormeister begonnen, konnte er den Familienbetrieb zu einer kleinen Fabrik mit der Produktion von Schokolade und Bonbons erweitern. Mit Humor und viel Geschick brachte er auch die junge Karnevalsgesellschaft erfolgreich voran. Schnell fanden neue Mitglieder und Freunde den Weg zu ihren Altstädtern.

Die Aktivsten unter ihnen bildeten den Senat, der von nun an die notwendige Unterstützung bot und erstmals in einer Schrift aus dem Jahre 1925 über Aktivitäten im Inflationsjahr 1923, Erwähnung fand. Ein wichtiger Bestandteil der Vereinsgeschichte, in der sich der Senat mit Recht als Wurzel der Altstädter sieht. So hat der heutige Senat mit der Wahrnehmung seiner vielfältigen Aufgaben und als eine der Stützen der Gesellschaft, seinen festen Platz in der großen, grün-roten Gemeinschaft.
Zum Beginn seiner Aktivität sah sich der Senat noch in der Form einer sogenannten Komitee-Gesellschaft ohne Farben, und eher bürgerlich in Frack und weißen Handschuhen …im Sonntagsstaat.

Wie der Altstädter-Chronik zu entnehmen ist, gründete man im Jahr 1924 das aktive Tanzkorps. Auch hierbei spielte der Senat eine wichtige Rolle. So hatten „Senats-Vizepräsidenten“ Heinrich Nüllen (später Feldwebel des Tanzkorps) gemeinsam mit Präsident Servatius Jussenhoven und dem Altstädter-Schriftführer Hans Glässe, während einer Straßenbahnfahrt die zündende Idee, zur Gründung eines uniformierten Karnevalskorps.

Ab 1927 folgte dann als weitere Gruppe das damals noch nicht eigenständig organisierte Reiterkorps mit seinen ersten Reitern im Rosenmontagszug. Nicht wirklich belegbar aber naheliegend ist, dass es sich bei den ersten Altstädter-Reitern um Mitglieder aus den Reihen des Senats handelte. Beide Gruppen, Tanz- und Reiterkorps trugen von Beginn an ihre Uniform in den Farben Grün und Rot, wie sie Mitte des 18. Jahrhunderts die Soldaten des Kurfürstentums Köln getragen hatten.

Neben allen karnevalistischen Aktivitäten wurden auch die des ursprünglichen Kegelclubs fortgeführt. Seit ihrer Gründung waren die Fidelen Altstädter stets bemüht sich in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen. Wenn im September 2015 das 12. Altstädter-Sommerfest in Folge veranstaltet wurde, so ist das eine Aufzählung der „Neuzeit“. Denn bereits am 28. Juli 1923 fand ein vom Altstädter-Senat organisiertes Sommerfest im Kölner Zoo statt. Dies zu Gunsten unterernährter Kinder der Stadt Köln statt. Die Eintrittspreise beliefen sich neben dem freien Eintritt für Mitglieder auf 5.000 Mark für Damen und 10.000 Mark für weitere Familienmitglieder. Auf der Einladung wurde die Anregung eines Senators für die Einrichtung einer Sterbekasse erwähnt. Der Senat existierte somit nachweislich außerhalb des Kleinen Rats, organisierte die großen Feste und trieb ab 1927 auch die Wiederbelebung des Kölner Rosenmontagszuges tatkräftig mit voran.

Die positive Entwicklung der Karnevalsgesellschaft vollzog sich von Jahr zu Jahr. So auch die des stetig wachsenden Tanzkorps mit seinem ersten, damals noch männlichen Mariechen Jean Küster, einem der Mitbegründer der KG Lyskircher Junge, deren Präsident er später auch wurde.
Erster Korpskommandant der Altstädter wurde Hans Fabritius, dem das leibliche Wohl seines Korps, in Form von „Hochprozentigem“, stets sehr am Herzen lag. Was ihm den Namen „Oberst Fusel“ einbrachte.

Bei den Rosenmontagszügen galten die Altstädter als eine: „Grün und rote Farbepracht, die der Bevölkerung viel Freude macht!“, so lautet ein Zitat aus alten Schriften.

Doch dies alles hatte mit dem Beginn des 2. Weltkrieges erst einmal ein Ende. Der Krieg forderte unzählige Opfer und so kamen auch Altstädter Kameraden nicht mehr in ihre geliebte Heimat nach Köln zurück. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Kammerbestände, das umfangreiche Altstädter-Archiv und nahezu alle Unterlagen in den Bombennächten vernichtet. Einige Altstädter um Heinrich Nüllen suchten nach dem Krieg den Kontakt zu ihren früheren Kameraden.

Auch Präsident Servatius Jussenhoven lebt nicht mehr in Köln. Aus seinem, kölschen Herzen mit viel Willen war nichts übriggeblieben. Er hatte resigniert und stellte auch aufgrund seines Alters, das Präsidentenamt zur Verfügung.

Sehr bald fand sich ein humorbegabter, junger Mann für dieses Amt. Fritz Figge, bis dahin Mitglied der Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. und geschätztes Vorstandsmitglied des Korps Seiner Tollität. Der Wiederaufbau begann und die nun kommenden Jahre konnten mit Geschick und positivem Blick nach Vorne gestaltet werden.

Das Tanzkorps entwickelte sich sehr gut und bereits 1952 war man mit 63 Auftritten ein gern gesehener Gast auf den Veranstaltungen. Ab 1953 veranstalteten und eröffneten die Altstädter mit dem Aufzug des Korps, gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeister samt Dreigestirn, den Straßenkarneval auf dem Alter Markt. Auch die Kleiderkammer füllte sich wieder von Jahr zu Jahr und erreicht 1956 mit 109 Uniformen eine stattliche Zahl. Zur Session 1961 stellt Präsident Fritz Figge das neue Tanzpaar Gerdemie Pütz und Karl-Heinz Basseng vor.

Ab 1960 revolutionierten die Beiden, die auch etwas später, im wirklichen Leben ein Paar wurden, den Korpstanz im Kölner Karneval. Erste Hebefiguren und eine ganz neue Choreographie, alles gemeinsam geschaffen und einstudiert von Ballettmeister Peter Schnitzler und dessen Ehefrau Hilde. 1967 tritt das Korps erstmalig bei der Kölner Prinzenproklamation auf. Auf der Proklamation 1968 löst der Mariechentanz der Altstädter eine, in dieser Form nicht erwartete, Begeisterung beim Publikum aus. Nach dreimaligen Da Capo schlägt Festkomitee-Präsident Ferdi Leisten, unter dem Beifall der Präsidenten der Traditionskorps, die Altstädter zum (5.) Traditionskorps des Kölner Karnevals vor. Einen Monat später beschließen und bestätigen die Präsidenten der Traditionskorps den Vorschlag von Ferdi Leisten.

Die Weiterentwicklung der Gesellschaft vollzog sich in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich. Der Senat und die beiden Gruppen, Tanz- und Reiterkorps vergrößerten sich von Jahr zu Jahr. Aufgrund des personellen Wachstums, befasste man sich in den vergangenen 20 Jahren damit, weitere Gruppen zu gründen um den zahlreichen Anfragen, interessierter Kölner, an einer Mitgliedschaft bei den Altstädtern gerecht zu werden. So wurden neben dem Kreis der Freunde und Förderer, der Große Rat, das Reservekorps und nicht zuletzt ein eigener Regiments-Spielmannzug ins Leben gerufen.

Aus den einstigen Veranstaltungen hinter vorgehaltener Hand, sind längst etablierte Spitzenveranstaltungen geworden. Hierzu zählen auch die Veranstaltungen in den karnevalslosen Monaten, wie die Fastelovends-Classics und die Reit-, Fußball- oder Golfturniere. Vorrangig sind es natürlich die traditionellen Sitzungen, Partys und Bälle innerhalb der Session, die von einem treuen Publikum und zahlreichen Freunden aus Nah und Fern seit Jahrzehnten begeistert begleitet werden. Den krönenden Abschluss einer jeden Session bildet die prächtige Darstellung der Altstädter im Kölner Rosenmontagszug.

All dies lässt die heutigen Mitglieder aus gutem Grund sehr positiv in die Zukunft schauen.

Es hat sich seit der Gründung vor fast 100 Jahren sehr viel getan. Den damaligen, Kleinen Rat gibt es nicht mehr. Dafür aber stets jung und agil der Kegelclub und natürlich der Altstädter Senat. Der genau wie die anderen Gruppen sein Eigenleben führt und neben der Vereinssatzung, in seinen Ergänzenden Vorschriften das neue Selbstverständnis des Senates zitiert. Während der Amtszeit von Senatspräsident Manfred Erberich wurden diese neuen Vorschriften im Jahr 2003 beschlossen und verabschiedet. Diese bieten dem jetzigen Senatspräsidenten Jacky Gauthier und seiner Senatsvorstandskollegen, Vizepräsident Gerd Leidel, Schatzmeister Andre` Gammradt und Schriftführer Peter Naumann eine gute Grundlage die Jahrzehnte lange grün-rote Tradition mit fortzuführen.

Trotz zahlreicher Ereignisse und Veränderungen sind sich die Altstädter stets ihrer Herkunft, mit Blick in die Zukunft, bewusst und den Grundsätzen ihrer Gründerväter, die einer Familiengesellschaft, treu geblieben.

Auch wenn viele Mitglieder und Freunde bereits vergessen sind, gilt Allen für ihren unermüdlichen Einsatz, für das was die Altstädter Köln 1922 eV heute sind, ein großes und herzliches Dankeschön!

In diesem Sinne: „Am guten Alten in Treue halten!“

 

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